Lehrveranstaltungen

Die Art der Vermittlung von Pädagogik muss sich nicht nur auf den Hörsaal beschränken - Sie kann in der ganzen Welt erfahren werden! Ob in der digitalen Welt oder direkt auf den Spuren der Denker und Denkerinnen - als Teil der praktischen Philosophie sind die Möglichkeiten grenzenlos!
Der Inhalt meiner Lehre spiegelt dabei meine Forschungsschwerpunkte wider: 

  • Den Dreiklang von Ethik, Ökonomie und Pädagogik
  • die interkulturelle Pädagogik
  • und die Denkerinnen der Pädagogik


Hier können sie mehr über meine Lehrveranstaltungen seit dem Sommersemester 2019 erfahren.

Blockseminar in Florenz

Wintersemester 2021/2022

Hörbeispiel gefällig? Unter diesem Abschnitt gibt es eine Auswahl an Podcasts zur Vorlesung "Klassikerinnen und Klassiker der Pädagogik" zum selber hören! 

Vorlesung: Klassikerinnen und Klassiker der Pädagogik - die Bildung des Menschen (EWS/PÄD)

Will die Pädagogik dem gerecht werden, dass mit ihr stets die Frage der Bildung verbunden wird, gilt es zu bedenken, dass Bildung mehr ist als Ausbildung: Bildung impliziert vermeintliche Gewissheiten in Frage stellen zu können. Dies erfordert es jedoch, sich die eigene Perspektive vor Augen zu führen und sich aus einem breiteren Horizont heraus die Strukturen und Wurzeln der eigenen Denk- und Handlungsmuster bewusst zu machen und zu reflektieren, d.h.: historisch zu denken. Zugleich wird damit deutlich, warum die historische Perspektive unabdingbare Grundlage jeder interkulturellen Pädagogik ist: um die Denk- und Handlungsmuster anderer Kulturen in ihrer Eigenstruktur wahrnehmen zu können, ist es unerlässlich, die eigene Brille abzunehmen oder anders gesagt: sich die eigenen Denk- und Handlungsmuster bewusst zu machen. Diesem Grundgedanken verpflichtet, geht die Vorlesung der Frage nach, wie kulturelle, gesellschaftliche, politische, medizinische und religiöse Vorstellungen die Lebens- und Denkwelten der Menschen im Zeitraum von der Renaissance bis heute beeinflusst haben und welche Ansätze, aber auch Probleme sich im pädagogischen Kontext entwickelten.

Vorlesung: Das Bild des Menschen - Bildungsideale antiker und mittelalterlicher Pädagogik (EWS/PÄD)

In dieser Vorlesung werden wir versuchen, uns einen Überblick über die Geschichte der antiken und mittelalterlichen Pädagogik zu verschaffen. Unseren Ausgangspunkt legen wir in die Rekonstruktion der Vergangenheit mit dem Wissen von heute. Eine Analyse der Geschichte ist daher nie wertungsneutral und positionsfrei. Da es bereits zahllose Darstellungen der Geschichte der Pädagogik gibt, die sich als Ideengeschichte verstehen, wollen wir eine Geschichte der Pädagogik skizzieren, die zum einen den Schwerpunkt auf die einflussreichen Vordenker legt, da fast nichts von dem, was heute gedacht wird, nicht schon längst gedacht wurde. Zum anderen richtet sich der Blick insbesondere auf das Bild des Menschen. Als Fazit solchen Versuchs, ein Sinnbild vom Menschen zu entwerfen und es als Vorbild zur Nachfolge zu empfehlen, ergäbe sich Pindars berühmte Aufforderung zu Selbstwahl und Selbstverwirklichung: „Werde, der du bist, lernend!“

Die Vorlesungen gibt einen Überblick über die wichtigsten Persönlichkeiten und Schulen. Um Orientierung in einer zunehmend globalisierten Welt bieten zu können, wird eine globale Ausrichtung der Geschichte (der Pädagogik) immer dringlicher. Vor diesem Hintergrund werden wir Einblick nehmen in die arabische, chinesische, jüdische und buddhistische Tradition. 

Seminar: Die Logik des gelungenen Lebens und die PädAgogie (EWS)

Tell them I've had a wonderful life.” (Ludwig Wittgenstein; 1889 – 1951)

 

Die Frage nach dem Glück – dem gelungenen Leben - der Menschen unter den beziehungsreichen Namen eudaimonia, eutychia, fortuna, beatitudo oder pleasure, joy, happiness ist eine philosophische Grundfrage.

Nach langer Verbannung aus dem Diskurs erleben heute Reflexionen über das gute, gelingende oder glückliche Leben eine Renaissance. In der Antike galt nur derjenige als glücklich, der richtig und tugendhaft lebt, so dass eine Annäherung zwischen Glück und Tugend bestand. Im Gegensatz zu einem solchen an eine bevorzugte Lebensform gekoppelten „Erfüllungsglück“ wurde „Glück“ in der Neuzeit entweder auf das Besitzen äußerer Güter (Wohlstand, Macht) oder ein innerliches „Empfindungsglück“ (sinnliche Lustempfindung) reduziert.

Neben der Darstellung dieser philosophiehistorischen Zusammenhänge stehen folgende systematischen Kernfragen im Zentrum:

- Differenz zwischen Glück_haben (eutychia) und glücklich_sein (eudaimonia)

- Glück als höchstes Ziel oder Begleitphänomen eines bestimmten Lebensprozesses

- Glück als erfolgreiche Realisierung von Wünschen, Zielen oder Lebensplänen

- Relationen zwischen den Konzepten „gutes Leben“, „Glück“, „Sinn“, „Selbstverwirklichung“, „Ethik“ und „Politik“

Das Seminar soll anhand sehr unterschiedlicher Philosophien des Glücks grundlegende begriffliche Aspekte klären und herausarbeiten. Was lässt sich trotz der Individualität unseres Glückserlebens und seiner variablen Bedingungen überhaupt Allgemeingültiges über die Logik des gelungenen Lebens sagen.

Blockseminar: Ein (notwendiger) Dreiklang von Ethik, Pädagogik und Ökonomie (EWS/PÄD) 

Am Anfang und während der längsten Zeit ökonomischen Denkens galt die aristotelische Trias: Ökonomie wurde als Teil der Politik und die so verstandene Politische Ökonomie wiederum als Teil der Ethik begriffen. Pädagogik war aus dieser Trias nicht wegzudenken.
Die bisherige ökonomische und politische Wissenschaft hat ihre zentralen Begriffe und Ziele stets, ohne die Pädagogik zu bestimmen versucht. Dieses Unterfangen steht dem verantwortungsvollen Selbstdenken diametral entgegen und hat beispielsweise die Ökonomie erst zur global mächtigsten Ideologie gemacht. Das Seminar plädiert dafür, sich die mannigfaltige Verwobenheit von Ethik, Politik und Ökonomie immer wieder bewusst zu machen und dieses Bewusstsein sodann gezielt in die aktuelle Theorie- und Praxisdiskussion zu Fragen der Pädagogik einfließen zu lassen. Denn: Nicht nur Aristoteles lebte in einer politischen Ära, auch unsere heutige Zeit ist eine der politischen Auseinandersetzung sowie der ethischen und ökonomischen Weichenstellung. Es braucht deshalb auch heute gerade keine bewusste Grenzziehung zwischen der o.g. Trias und der Pädagogik, sondern vielmehr eine produktive Auseinandersetzung mit dem in diesem Verhältnis zum Tragen kommenden Widersprüchen und Herausforderungen.
Durch Gruppendiskussionen entwickeln wir vor Ort eine ausgeprägte Fähigkeit zur Kritik, insbesondere auch Selbstkritik. Seminarteilnehmer*innen sollen Entwicklungstendenzen erkennen – insbesondere vor dem Hintergrund sich verändernder gesellschaftlicher Realitäten und ökonomischer Problemstellungen. Die Definition und Bestimmung grundlegender gemeinsamer Begriffe und Kategorien befähigt uns über die notwendige Beziehung der Pädagogik zu Ethik, Politik und Ökonomie nachzudenken und kritisch zu argumentieren.

Seminar: Aufklärung, Bildung und Herrschaft. Beiträge zur vergleichenden Pädagogik (EWS/PÄD)

 „Seit je hat Aufklärung im umfassendsten Sinn fortschreitenden Denkens das Ziel verfolgt, von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen. Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils.“ (Horkheimer/Adorno 1969: Dialektik der Aufklärung. S. 9)

Horkheimer und Adorno formulieren diese Worte 1944, noch vor Kriegsende. Doch das Unheil, von dem sie schreiben, ist nicht nur der Zweite Weltkrieg. Aufklärung und Barbarei hängen für sie weniger geographisch zusammen, wie Nationalsozialismus und deutscher Idealismus, sondern inhaltlich: „Was die Menschen von der Natur lernen wollen, ist, sie anzuwenden, um sie und die Menschen vollends zu beherrschen.“ (ebd. S. 10) In kaum einer anderen Disziplin wird die Problematik dieses Zusammenhangs deutlicher als in der Pädagogik. Der aufklärerische Anspruch, der besonders von Kant einschlägig formuliert wird, versucht alles Tierähnliche ins Tierreich zurückzudrängen. Pädagogik, die sich auf ein entsprechendes Menschenbild bezieht, versucht, unter der Fahne von Vernunft und Würde alle Bedürfnisse und Triebe aus dem zu erziehenden Kinde auszulöschen – teils auf grausame Weise.

Um in Zeiten tiefgreifender nationaler und internationaler gesellschaftlicher Veränderungsprozesse neue Herausforderungen meistern zu können, ist die kritische Reflexion der Geschichte der vergleichenden Pädagogik eine notwendige Voraussetzung. Neben Texten von Kant und Horkheimer/Adorno untersuchen wir im Seminar den Zusammenhang von Aufklärung und Herrschaft unter anderem anhand folgender Autor:innen:

- Alice Miller und Katharina Rutschky untersuchen in ihren Texten die „Schwarze Pädagogik“, also Erziehungstheorien vor dem Nationalsozialismus, die sich zum Teil explizit auf aufklärerische Schriften beziehen.

- Caroline Sommerfeld-Lethen schrieb auf der einen Seite ihre vielgelobte Dissertation zu Kants Ethik und gehört auf der anderen heute der rechtsextremen Identitären Bewegung an, für die sie einen „grundsätzlichen“ Erziehungsratgeber verfasst hat.

- Paulo Freire ist Verfasser der „Pädagogik der Unterdrückten“ und damit Begründer der „Befreiungspädagogik“. Darin formuliert er mit Bezug auf Kolonisationskontexte die These, dass Bildung vor allem zur sozialen Kontrolle, statt zur Förderung von Mündigkeit und Selbstbestimmung diene. 

Hörprobe

Du würdest gerne mal in meine Podcasts hineinhören? Ein Klick auf die unten stehenden Button führt zu meinem Soundcloud-Account! Hier sind zwei Podcasts zur Vorlesungsreihe "Klassikerinnen und Klassiker der Pädagogik" verfügbar. 

Sommersemester 2021

Vorlesung: Jaspers` Achsenzeit - Eine Reise durch die Geschichte der Pädagogik (EWS/PÄD)

In der zeitgenössischen historischen Bildungsforschung nimmt die Beschäftigung mit der Antike und dem Mittelalter eine Randstellung ein. Dieses eher zurückhaltende Forschungsinteresse hängt damit zusammen, dass die Fachliteratur der Erziehungswissenschaften ihren Ursprung vor allem im 17. und 18. Jahrhundert hat.

Dies sollte uns nicht zu dem Fehlschluss verleiten, dass zwischen der neuzeitlich-modernen und der vormodernen Erziehungsgeschichte keinerlei Berührungspunkte bestünden. Gerade die Moderne bewahrt auch in der Pädagogik Traditionen der vormodernen Welt und bereitet sie in neuer Gestalt auf. Dies macht es notwendig die Vorläufer neuzeitlicher Erziehungspraktiken und -ideen aufzusuchen, um ihren ursprünglichen Sinn und ihre historische Gestalt zu erkennen.

In dieser Vorlesung werden wir Lebens- und Denkwelten von der Antike bis zum Mittelalter kennen lernen und Wirkungsgeschichten in den Vordergrund stellen.

Dabei lassen wir uns von Karl Jaspers Annahme leiten (Vom Ursprung und Ziel der Geschichte, 1949), dass es in der Menschheitsgeschichte voneinander abgrenzbare Zeitabschnitte gibt, in denen gleichzeitig Grundkategorien des Denkens und der Geisteshaltung entstanden sind.

Vorlesung: Pädagogik - (k)eine Wissenschaft? Repetitorium zu Grundfragen der Pädagogik (PÄD/EWS)

Das lebensweltliche Phänomen „Pädagogik“ ist wahrscheinlich ebenso alt wie die Menschheit selbst. Menschen sind nicht nur lernende, sondern sie sind auch auf besondere Weise in der Lage gelerntes Wissen weiterzugeben. Diese Fähigkeiten erklären die herausgehobene Stellung des Menschen gegenüber anderen Lebewesen.

Die Pädagogik als Wissenschaft ist eine recht junge Disziplin. Betrachtet man ihre Entwicklung in den vergangenen 400 Jahren, so lässt sich stets ein Bemühen um Eigenständigkeit und Abgrenzung zu anderen Disziplinen feststellen. Pädagogische Fragestellungen wurden lange Zeit als Teilgebiet von Philosophie und Theologie angesehen. Im Gegensatz dazu versuchen heute auch empirische Wissenschaften wie die Neurowissenschaft und die Psychologie durch experimentelle Forschung zu klären, wie das Lernen und die menschliche Entwicklung funktionieren.

Wie aber kann man die Pädagogik heutzutage als Wissenschaft begreifen, die sich an Bildungsidealen und ihren Prinzipien orientiert?

Diesen Grundgedanken verpflichtet reisen wir durch die Geschichte der Pädagogik. Ein profundes Verständnis dieser Geschichte hilft uns die aktuelle Erziehungswirklichkeit zu verstehen und zwar im Kontext der Geisteswissenschaften.

Seminar: Kritische Pädagogik und ihre Theorie (PÄD)

„Es war die Barbarei, gegen die alle Erziehung geht. Man spricht vom drohenden Rückfall in die Barbarei. Aber er droht nicht, sondern Auschwitz war er; Barbarei besteht fort, solange die Bedingungen, die jenen Rückfall zeitigten, wesentlich fortdauern. Das ist das ganze Grauen.“ - Theodor W. Adorno: Erziehung nach Auschwitz

Die Bedingungen, die Auschwitz möglich gemacht haben, waren ökonomische und politische ebenso wie gesellschaftliche und individuell psychologische. Im Seminar wollen wir uns auf die individuell psychologischen fokussieren. Denn „dass es Menschen gibt, die unten, eben als Knechte das tun, wodurch sie ihre eigene Knechtschaft verewigen und sich selbst entwürdigen […], dagegen lässt sich doch durch Erziehung und Aufklärung ein Weniges unternehmen.“ (ebd.) Textpassagen aus den Protokollen der Nürnberger Prozesse, die Einblicke in Taten und Psyche der Täter geben, sollen helfen, das unbegreifliche Ausmaß dessen, was passiert ist, greifbarer zu machen. Mit Sigmund Freuds Massenpsychologie und Ich-Analyse und Alice Millers Am Anfang war Erziehung werden dem Unerklärbaren erste Erklärungsversuche gegenübergestellt.

Im weiteren Verlauf des Seminars beschäftigen wir uns mit Ansätzen, die unter diesen Vorzeichen Pädagogik und Psychologie neu zu denken versuchen. Dabei lesen wir Texte von Theodor Adorno, Klaus Holzkamp und Ute Osterkamp, Frigga Haug und Aktuelles aus der Zeitschrift Pädagogische Korrespondenz, die der Tradition Kritischer Theorie verpflichtet ist. Gegebenenfalls kommen wir noch zu Texten von Paulo Freire und Erica Burman, oder von Autor*innen, die von Teilnehmenden des Seminars eingebracht werden. 

Seminar: Freundschaft eine ethische Notwendigkeit (EWS/PÄD)

"Freundschaft im ersten und eigentlichen Sinn ist die Freundschaft zwischen guten Menschen […]“ Aristoteles, Nikomachische Ethik; 1157a 30 

 

Sowohl bei Aristoteles als auch bei anderen großen Denkerinnen und Denkern spielt Freundschaft eine prominente Rolle in der Ethik. Bei Aristoteles kann man das kaum übersehen, ungefähr ein Fünftel seines ethischen Hauptwerkes handelt davon. Freundschaft ist, so wissen wir, für jeden Menschen erstrebenswert und Freundschaft ist irgendwie auch notwendig zum menschlichen Leben. Die Freundschaft so meinen wir ist etwas Selbstverständliches, etwas Natürliches und bar jeder ethischen Klärung. Wie schaut es aber aus, wenn man an den Fall von schlechter Gesellschaft denkt, die einen guten Menschen verderben kann. An dieser Stelle greifen ethische Überlegungen ein; denn es scheint gute und schlechte Freunde zu geben – oder nicht? Was ist ein guter Freund und was ein schlechter? Welche Rolle hat Freundschaft im guten Leben, bedarf ich da noch der Freunde? Wie kann ein anderer Mensch wertvoll sein ohne nur zum Instrument für das eigene Glück zu dienen (Gegensatzpaar Egoismus/Altruismus)? Und letztlich auch die Frage aller Fragen: Was unterscheidet Freundschaft von Liebe?

Unser heutiger, moderner Begriff von Freundschaft, beschränkt sich eher auf das Private, verbunden mit unserem Denken, dass Freundschaft im öffentlich politischen Raum nur Unheil stiften. In unserem Seminar wollen wir Freundschaft wieder neu (nicht nur politisch!) denken. Wir werden Betrachtungen und Theorien zur Freundschaft lesen, vorstellen und gemeinsam diskutieren.      

Kolloquium: Theoretisches Arbeiten - BA/MA Kolloquium       

Wintersemester 2020/2021

Hörbeispiel gefällig? Unter diesem Abschnitt gibt es eine Auswahl an Podcasts zur Vorlesung "Jaspers' Achsenzeit" zum selber hören! 

Vorlesung: Jaspers` Achsenzeit - Eine Reise durch die Geschichte der Pädagogik (EWS/PÄD)

Siehe Sommersemester 2021.

Vorlesung: Pädagogik - (k)eine Wissenschaft? Repetitorium zu Grundfragen der Pädagogik (PÄD/EWS)

Siehe Sommersemester 2021.

Hauptseminar: Philosophisches "Nach-Denken" über die Seele (psyche) (EWS/PÄD)

Kaum ein Thema wurde in den letzten Jahrzehnten so intensiv diskutiert wie die das „Leib-Seele-Problem“. Um den Menschen in seiner Vielschichtigkeit zu verstehen braucht es konkrete Antworten zu der Frage, in welcher Beziehung Leib (belebter Körper, insbesondere Gehirn) und Seele (Geist, Bewusstsein) zu einander stehen.

Das Eigentliche des Menschen ist das Geistige und dies kann nicht allein am Körper bzw. an der Materie hängen. Wir erleben uns nicht allein als materiellen Körper, umgeben von anderen materiellen Körpern, sondern wir erleben uns vor allem als geistige Wesen. Als Menschen, die Nachdenken, die Gefühle und, die Bewusstsein haben. Die Seele, die den Körper belebt, gehört zum Prinzip des Lebens, sie „verkörpert“ das Streben nach Leben. Wir wollen also der Frage nachgehen: Was ist die Seele?

Als Einstieg werden wir uns mit dem Buch: Die digitale Seele - Unsterblich werden im Zeitalter künstlicher Intelligenz (Moritz Riesewieck und Hans Block), auseinandersetzen und die Inhalte mit Hilfe der Philosophie reflektieren. Seit der Antike hat es sich die Philosophie zur Aufgabe gemacht das Wesen der menschlichen Seele aufzuspüren, zu deuten und zu verstehen. 

 Hauptseminar: Mythen - Denken im Namen der Kultur (EWS/PÄD)

„Darum ist der Freund der Mythen (μῦθος) auch in gewisser Weise ein Pädagoge*, denn der Mythos enthält Wunderbares.“ 

Jedes Jahr erscheinen Dutzende Werke über Mythologie. Film und Fernsehen bedienen sich vieler Themen aus der antiken Kultur und machen sie zu Rahmenhandlungen ihrer Drehbücher. Die kulturelle Dimension der Mythen wird deutlich, sobald wir uns klarmachen, wie oft wir es im Alltag mit Bildern, Metaphern oder Begriffen zu tun haben, die aus Mythen entlehnt sind. Die Mythologie ist nicht das Werk eines einzelnen Autors. Es gibt nicht „ein“ Buch. Es gibt keinen kanonischen oder heiligen Text. Wir haben es mit einer großen Vielfalt von Geschichten zu tun, die Erzähler, Philosophen, Dichter und vielleicht auch Pädagogen verfasst haben. 

Wir werden im Laufe des Seminars die verborgenen Weisheits-Lehren der Mythen herausarbeiten. Die soll uns zeigen, dass Mythen unabdingbarer Bestandteil unserer Kultur sind. 

*Philosoph wurde ersetzt durch Pädagoge - (Aristoteles, Metaphysik 982b 18, 19) 

Kolloquium: Theoretisches Arbeiten - BA/MA Kolloquium

Hörprobe

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Sommersemester 2020

Vorlesung: Schön und gut - kalos kai agathos! Bildungsideale, Strukturen und Verortungen antiker und mittelalterlicher Pädagogik (EWS/PÄD)

Will die Pädagogik ihrem dem Bildungsgedanken verbundenen Selbstverständnis und ihrer gesellschaftlichen Aufgabe gerecht werden, gilt es zu bedenken, dass Bildung mehr impliziert als lediglich Facetten der Ausbildungsebenen zu betrachten: Bildung erfordert vielmehr, sich die Wurzeln und Strukturen der eigenen Denk- und Handlungsmuster bewusst zu machen und aus breiteren Horizonten heraus größere Kontexte betrachten zu können. Zu wissen, wie und warum man selbst so denkt, wie man denkt, wie und warum man selbst so handelt, wie man handelt, also historisch zu denken, ist zudem unerlässlich, um anderen Kulturen adäquat begegnen zu können. Erst wenn die eigene Brille abgenommen ist, d.h. wenn der eigene Ethnozentrismus bewusst geworden ist, ist es möglich, den Anderen in seinem Anderssein wahrzunehmen und nicht lediglich das Eigene zu verabsolutieren. In der Vorlesung, in der Lebens- und Denkwelten der Antike und des Mittelalters samt ihrer sich bis heute erstreckenden Wirkungsgeschichten im Vordergrund stehen, soll durch die Betrachtung der Wurzeln und Strukturen der eigenen Denk- und Handlungsmuster verdeutlicht werden, dass historisches Lernen per se multiperspektivisch und interdisziplinär ist und auf Erkennen und Anerkennen von Differenz und Vielfalt in Lebensverhältnissen und Wertvorstellungen zielt

Vorlesung: Der Mensch Zweck oder Mittel? Grundlagen, Ansätze und Problemfelder pädagogischen Denkens in der Neuzeit (EWS/PÄD)

Will die Pädagogik dem gerecht werden, dass mit ihr stets die Frage der Bildung verbunden wird, gilt es zu bedenken, dass nicht nach Nützlichkeitsaspekten betrachtet werden darf, sondern nach dem, was einfach Sinn in sich selbst ist.

Bildung impliziert vermeintliche Gewissheiten in Frage stellen zu können. Dies erfordert jedoch, sich die eigene Perspektive vor Augen zu führen und sich aus einem breiteren Horizont heraus die Strukturen und Wurzeln der eigenen Denk- und Handlungsmuster bewusst zu machen und zu reflektieren, d.h.: historisch zu denken. An die historische Bildungsforschung können wir in einer historischen oder theoretischen Einstellung herangehen. Die erste Einstellung widmet sich der sorgfältigen Aufnahme und Wiedergabe der überlieferten Lehren, Schulen und Richtungen. Es geht hier um die Frage, was jeder Pädagoge gelehrt hat. Die zweite Einstellung prüft jede Lehre auf ihre Wahrheit und Falschheit hin im Vergleich mit anderen. Die Frage hier ist, ob ihre Argumente, ihre Problemstellungen und Lösungen zu wahrer Erkenntnis führen. Beide Einstellungen sind einander nicht entgegengesetzt sondern ergänzen sich. Die theoretische Beurteilung jeder Lehre setzt voraus, dass wir sie historisch studiert und korrekt aufgenommen haben.

Diesem Grundgedanken verpflichtet, geht die Vorlesung der Frage nach, wie kulturelle, gesellschaftliche, politische und religiöse Vorstellungen die Lebens- und Denkwelten der Menschen im Zeitraum von der Renaissance bis heute beeinflusst haben und welche Ansätze, aber auch Probleme sich im pädagogischen Kontext entwickelten.

Hauptseminar: Liebe-pädagogische Implikationen einer philosophischen Grundfrage (PÄD)

Lieben und Geliebtwerden gehört zu den Grundzügen menschlicher Lebendigkeit! Die Liebe ist es, die den Menschen an die Gemeinschaft, an den Kosmos und an die Götter bindet. Sie kann die Gleichgesinnten ebenso umfassen wie die Feinde. Sie vermag es, den Blick weg vom Eigenen hin zum anderen Menschen zu lenken, aber auch zur Weisheit oder zu Gott.

Im alltäglichen Sprachgebrauch gibt es eine Vielzahl an Bedeutungen und Kontexte des Begriffs Liebe, welche die verschiedenen Bezüge dieses Phänomens zu Themen der Philosophie, Pädagogik, Theologie und Anthropologie aufzeigen. Das vielschichtige Thema Liebe ist ein Grundmotiv menschlicher Existenz, aber auch der Konfliktträger menschlichen Lebensvollzugs. Seine Behandlung erlaubt eine fast unbegrenzte Zahl von Assoziationen und Kontrastbildungen. Der Bogen unseres Seminars spannt sich daher über drei ihrer Vollzugsweisen und deren Aspekte:

vom Eros als dem sinnenhaften Begehren und Gefangen–Sein im Sinnlichen, oft auf die Selbstbezogenheit verengt, die Irrungen und Wirrungen, Verstrickungen und Konflikte, ferner über die Freundschaft (Philia) und deren ethischen Gehalt, bis hin zur Agape, dem Entwurf eines Ideals, das dem menschlichen Leben einen tragenden und erfüllenden Sinn zu verleihen vermag.

Dieses Seminar will darum eine Einführung in die philosophische Behandlung des Phänomens der Liebe anhand ausgewählter Themenbereiche geben.

Kolloquium: BA/MA Kolloquium 

Wintersemester 2019/2020

Vorlesung: Schön und gut - kalos kai agathos! Bildungsideale, Strukturen und Verortungen antiker und mittelalterlicher Pädagogik (EWS/PÄD)

Siehe Sommersemester 2020.

Vorlesung: Der Mensch Zweck oder Mittel? Grundlagen, Ansätze und Problemfelder pädagogischen Denkens in der Neuzeit (EWS/PÄD)

Siehe Sommersemester 2020.

Blockseminar: In VERONA vor Ort: Interkulturelle Pädagogik und ihre philosophischen Wurzeln (EWS/PÄD)

In VERONA, das reich an prächtigen Beispielen der Architektur aus Antike, Mittelalter, Renaissance und Moderne ist, herrscht eine einzigartige Atmosphäre, die den Lebensrhythmus der Menschen mit tausendjährigen Traditionen verbindet. Das Bildungswesen hat in allen europäischen Gesellschaften eine entsprechende Entwicklung durchgemacht, so auch in Verona. Im Rahmen einer interkulturellen Pädagogik und Bildungsforschung erlangen wir Kenntnisse über die Bildungsgeschichte und ihre pädagogisch-philosophischen Wurzeln. Wir durchdenken den inneren Zusammenhang von Ethik, Pädagogik und Politik als Teildisziplinen einer praktischen Philosophie.

Vor Ort halten die Teilnehmenden ein Referat zu einem von uns vorgeschlagenem Thema der praktischen Philosophie. Es folgt eine Aussprache über zwei bis drei Leitfragen. Anschließend hören wir einen literarischen Text, der uns den Ort sowohl in seiner Vergangenheit als auch in seiner Gegenwart neu sehen lässt.

Seminar: Gut und Böse. Pädagogische Implikationen (EWS/PÄD)

Das Erziehungsziel Mündigkeit setzt voraus, dass Menschen fähig sind, zwischen Gut und Böse unterscheiden und danach handeln zu können. Aber hat der Mensch denn diese Freiheit? Kann man davon ausgehen, dass der Mensch für sein Tun „etwas kann“? Um diesen Fragen so weit wie möglich nachzugehen, versuchen wir Gut und Böse im mythologischen, psychologischen, biologischen, soziologischen, philosophischen und theologischen Bedeutungskontext zu betrachten. Die ethische Frage nach der Verantwortung kann dabei zur metaphysischen Frage nach dem Ursprung des Bösen führen. Dabei kommen wir in unseren Diskussionen vielleicht zu dem Schluss: „Das Rätsel Mensch entzieht sich wissenschaftlichen Lösungen. Und doch sind diese Lösungsvorschläge nicht überflüssig, denn sie führen in das Rätsel hinein.“ (Annemarie Pieper 2008, S. 121).

Kolloquium: Theoretisches Arbeiten - BA/MA Kolloquium

Impressionen aus Verona

Sommersemester 2019

Hauptseminar: Zeit und Ewigkeit- pädagogische Implikationen einer philosophischen Grundfrage (EWS/PÄD) 

„Was also ist die Zeit? Wenn es mich niemand fragt, weiß ich es. Wenn ich es aber einem, der mich fragt, erklären möchte, weiß ich´s nicht“ (Augustinus). Zeit ist meist nur der unbewusste Hintergrund unserer Lebensaktivitäten. Etwas, was in der Zeit stattfindet, fesselt unsere Aufmerksamkeit, aber nicht die Zeit selbst. Doch kann sie selbst als Phänomen hervortreten und Gegenstand des Nachdenkens von Erwachsenen, aber auch von Kindern und Jugendlichen werden. Dann wird uns schnell klar: Sie ist keine „sonnenklare Selbstverständlichkeit“ (Heidegger). Wir können sie nur mit dialektischen Begriffen fassen: 

• Ist die Zeit endlos oder endlich? 

• Ist sie zyklisch oder linear? 

• Erleben wir sie oder stellen wir uns sie vor? 

• Ist sie objektiv oder subjektiv? 

• Vergeht sie oder entsteht sie? 

• (Kann man an der unveränderlichen Vergangenheit etwas ändern?) 

• Kann der zeitliche Mensch Ewigkeit erkennen? 

Im Seminar begeben wir uns anhand philosophischer und literarischer Texte auf individuelle Spurensuche nach unserer Zeitlichkeit. Dabei wird auch reflektiert, wie Kinder und Jugendliche ihre Zeit erleben und verstehen. Vorschläge zur unterrichtlichen Thematisierung von Zeit und Ewigkeit werden gemacht. 

Blockseminar: In FLORENZ vor Ort: Geschichte neu gesehen-pädagogische Implikationen (EWS/PÄD)

Wir suchen gemeinsam in FLORENZ pädagogisch geschichtsträchtige Orte auf. Dort halten die Teilnehmenden ein Referat (nicht mehr als zwei DIN-A-4 Seiten) zu einem von uns vorgeschlagenem Thema der historischen Pädagogik. Es erfolgt eine kurze Aussprache über zwei bis drei Leitfragen. Anschließend hören wir einen literarischen Text, der uns den Ort sowohl in seiner Vergangenheit als auch in seiner Gegenwart neu sehen lässt (Es erfolgt eine kurze Aussprache darüber).

Seminar: Die praktische Philosophie und die pädagogische Praxis des Aristoteles. Grundzüge der Nikomachischen Ethik (EWS/PÄD)

Die Nikomachische Ethik entfaltet keine Pflichten-, Sollens- oder Nutzenethik. Sie geht nicht von der Frage aus, was wir sollen, sondern richtet ihr Augenmerk auf das, wonach wir streben. Aristoteles zufolge ist das grundlegende Ziel aller Menschen die eudaimonia, ein gelungenes Leben. Vornehmliche Mittel zum Erreichen dieses Zieles sind für ihn die Tugenden, komplexe rationale, emotionale und soziale Fertigkeiten. Diese formen den Menschen, geben ihm Spielraum zur Selbstgestaltung und –entfaltung, sie steuern sein Handeln und Denken.


Anhand der Nikomachischen Ethik, einem der bedeutendsten Werke in der Geschichte der Philosophie, werden wir im Seminar nachvollziehen, worin genau das gute Leben besteht, was die Tugenden sind und wie sie uns – durch Erziehung und Bildung - zum guten Leben befähigen. Im Mittelpunkt werden daher die Bestimmungen des menschlichen Glücks (eudaimonia), die Konzeption der ethischen Charakterzüge (Tugenden) sowie die Begriffe der Wahl und der praktischen Vernunft stehen.

Kolloquium: Theoretisches Arbeiten - BA/MA Kolloquium 

Impressionen aus Florenz